KINDER im “Spielraum” Straße !

Die überwiegende Zahl von Kindern kommt bereits lange vor dem Schuleintritt, ohne ständige Beaufsichtigung durch Eltern, mit dem Straßenverkehr in Berührung. In unmittelbarem Zusammenhang hiermit steigt, aus der Sicht der Statistiker, die Anzahl von Verkehrsunfällen ab dem 4. Lebensjahr drastisch an.
Verkehrserziehung sollte somit spätestens zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr beginnen !
Verkehrserziehung bedeutet jedoch nicht nur, dem Kind beizubringen, was beim Überqueren einer Straße zu beachten ist, sondern setzt auch eine gewisse Kenntnis über das entwicklungsbedingte Leistungsvermögen, sowie die Bereitschaft zum guten Vorbildverhalten voraus.

 

 

 

Kindliche Entwicklung

Durch die zunehmende Komplexität im Straßenverkehr werden Kinder in immer größerem Maß überfordert. Im Vor- und Grundschulalter unterliegen sie aufgrund ihres Entwicklungsstandes zusätzlich verschiedenen Einschränkungen, die sich nicht oder nur schwer ausgleichen lassen:
z.B.

 

... die Größe:
... das eingeschränkte Sehen:
... Einschränkungen beim Hören:
... Geschwindigkeits- und Entfernungsschätzung:
... Bewegungsdrang:
... Aufmerksamkeit:

 

 

Beispiele entwicklungsbedingter Einschränkungen

   ... die Größe:

Allein durch die Größe können viele Gefahren (heranfahrender PKW) nicht rechtzeitig erkannt werden. An gleicher Stelle haben Erwachsene oft den “Überblick”. Hinweis: “Gehen Sie ab und zu in die Hocke, Sie werden überrascht sein, wie wenig Kinder sehen”!
Auch die Perspektive ist, daraus resultierend, eine andere. Fahrzeuge wirken ev. wesentlich bedrohlicher und somit angsteinflößender als wir dies wahrnehmen, was wiederum, völlig überraschend für uns, in einer Verkehrssituation zu Fehlreaktionen am Fahrbahnrand führen kann.

   ... das eingeschränkte Sehen:

Etwa 35 % weniger Sichtfeld wird Kindern im genannten Altersbereich zugeschrieben, was erklärt, warum sie von der Seite herannahmende Fahrzeuge später wahrnehmen. Auch die Nah- Fernbereichsumstellung verläuft langsamer. Endlich Gesehenes benötigt mehr Zeit um im geringen Erfahrungsschatz -eventuell falsch- eingeordnet zu werden.

   ... Einschränkungen beim Hören:

Erst mit etwa dem Schuleintritt ist das Hörvermögen voll ausgebildet. Aber selbst dann ist es Kindern oft nur schwer möglich die Richtung zu bestimmen, aus der ein Geräusch kommt. Es ist etwa vergleichbar dem Problem das wir Autofahrer manchmal haben, wenn wir im Straßenverkehr das Sondersignal eines Notarztfahrzeuges hören und -teilweise erfolglos- versuchen zu ermitteln aus welcher Richtung es kommt.

   ... Geschwindigkeits- und Entfernungsschätzung:

Geschwindigkeiten und Entfernungen zu schätzen bereitet uns allen Probleme. Betrachten wir die Situation wenn ein Fahrzeug direkt auf sie zufährt. Woraus erkennen sie dass es fährt ?
Es verändert seine Größe. Das menschliche Gehirn kann normalerweise nicht von einer Größenveränderung auf die gefahrene Geschwindigkeit schließen. Dies bedarf Erfahrung und einer hohen Rechenleistung des Gehirns. Was auch erklärt, warum dieses Vermögen bei älteren Menschen wieder nachlässt bzw. bei kleinen Kindern noch nicht ausreichend vorhanden ist.

   ... Bewegungsdrang:

Kinder müssen sich bewegen.
Dieser Drang entsteht durch die einmal mehr, einmal weniger erforderliche Anpassung an die Veränderung der kindlichen Proportionen. Dies können Sie deutlich feststellen, wenn ihr sonst motorisch recht geschicktes Kind plötzlich eine unverständliche Tolpatschigkeit entwickelt, welche sich nach relativ kurzer Zeit wieder legt.
Besonders deutlich lässt sich dieser Drang jedoch beobachten als Spannungsabbau nach längeren Phasen der Bewegungsarmut in Wohn- oder Spielräumen sowie nach dem Schulschluss.

   ... Aufmerksamkeit:

Erst mit Ende des Kindergartenalters ist es ihren Sprösslingen möglich, die Gedanken bewusst für längere Zeit auf ein Objekt zu richten. Unbewusst funktioniert diese Fähigkeit, auch Konzentration genannt, leider teilweise recht gut. Sehr häufig im Spiel und in Situationen, wenn es von uns nicht erwünscht ist. Die Konzentration auf mehrere Objekte gleichzeitig zu richten und die sich daraus ergebenden Informationen verwerten zu können, ist eine Grundvoraussetzung für eine sichere Teilnahme am Verkehrsgeschehen. Eine solche Aufmerksamkeitsleistung ist jedoch erst ab etwa 9 Jahren möglich. Für ein radfahrendes Kind sind die Anforderungen noch wesentlich höher als für den kleinen Fussgänger.

Dies ist auch einer der Gründe warum die Radfahrausbildung von Schule und Polizei erst im 4. Grundschuljahr durchgeführt wird.

Diese Aufzählung entwicklungsbedingter Defizite für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr, stellt nur einen groben Auszug dar, der sich für jedes Kind unterschiedlich erweitern lässt.
Trotz all dieser Einschränkungen lässt es sich nicht vermeiden, dass sich Ihre Kinder im öffentlichen Verkehrsraum bewegen und andere Verkehrsteilnehmer ein bestimmtes Verhalten erwarten und voraussetzen. Dies erfordert für Sie, mit Ihrem Kinder oder den Ihnen anvertrauten Kindern das richtige Verhalten zu trainieren und die Einhaltung der vorgegebenen Richtlinie zu beobachten.
Dies alles “steht und fällt” jedoch damit, inwieweit sie und auch die anderen “Großen” ständig bereit sind, ein optimales Vorbild zu sein (schwierigster Punkt).

 

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